Die Bankenmafia und die Eurokrise

12. April 2016

Mit der hohen Verschuldung der Staaten haben die Bankiers noch einen anderen Hebel außer der direkten Kontrolle über die Geldmenge. Denn an den Börsen wird nun mit diesen Schuldverschreibungen gehandelt. Will ein Staat eine soziale Politik machen, die Renten erhöhen oder betreibt sonst eine Politik, die „den Märkten“ nicht gefällt, dann wird insbesondere gegen die Anleihen des betreffenden Landes spekuliert und die Zinssätze, die dieses Land zahlen muss, schnellen in die Höhe. Damit kann man ganz schnell unliebsame Politik abwürgen.
Im Laufe der Zeit hat sich eine regelrechte Bankenmafia etabliert, in der es zugeht, wie im Haifischbecken und die lediglich an Profit und Macht interessiert ist. Es existiert keinerlei Verantwortungsgefühl und keine Moral, sondern lediglich Gier und Erfolgstrunkenheit.
Im Rahmen des Siegeszuges des Neoliberalismus haben die Staaten die Finanzmärkte immer weiter dereguliert, und heute wird auf alles gewettet, was nicht niet und nagelfest ist, darunter natürlich auch Lebensmittel, Immobilienmärkte, Wasserversorgung und alles, was eine Nation zum Funktionieren braucht. Hochkomplexe Finanzprodukte wurden erfunden, Derivate, Futures und so weiter, um Geld in möglichst vielschichtigen Weisen anlegen zu können. Dabei können die Banken sich auch untereinander Geld leihen und so ungeheure Mengen von Kapital schöpfen: Das geht mittels des Fractional Reserve Lending so: Bank A leiht Bank B 10.000 Dollar. Bank B darf nun Bank C wegen dieses „Guthabens“ 100.000 Dollar leihen. Und Bank C darf dann Bank A eine Million Dollar leihen, so dass der Kreis geschlossen wird. Bank A wird aber nun, um nicht auf dem Kredit sitzen zu bleiben, 10 Millionen Dollar weiterverleihen und immer so weiter. Daraus ist eine riesige Finanzblase entstanden, die die reale Wirtschaft um ein hundertfaches übersteigt. Geld wird heute über Computer durch die ganze Welt geschickt und kaum etwas davon hat noch etwas mit Waren und Dienstleistungen zu tun, sondern ist reines Finanzprodukt, das auf reale Werte spekuliert. Am Ende muss natürlich immer die reale Wirtschaft, der Bürger und der Staat für dieses aus dem Nichts erschaffene Geld aufkommen, wie wir in der Bankenkrise gesehen haben.
In den letzten Jahren hat besonders eine Bank von sich reden gemacht, die direkt die Interessen der weitgehend anonymen Kapitaleigentümer gegenüber den Märkten und den Staaten vertritt.
Diese Bank ist aufgebaut wie ein Mönchsorden, mit eigener Philosophie, eigenen Ritualen und gleicht einer verschworenen Gemeinschaft. Nach und nach sind die Agenten und Mitarbeiter dieser Bank über ihre Kontakte zu den Notenbanken, zu den Clubs und Think-Tanks der Eliten in zentrale Positionen in Regierungen, in der EU, bei den Zentralbanken und so weiter gelangt. Goldman & Sachs Banker haben hohe Positionen im Wirtschafts- und Finanzministerium der USA eingenommen, einen Präsidenten der EZB gestellt und haben ihr Netz weit ausgeworfen. Diese Bank berät Politik und Wirtschaft auf der ganzen Welt.
Als es 2008 zur Finanzkrise kam, aufgrund der faulen Immobilienkredite, die gebündelt und als allerlei Finanzprodukte auf der ganzen Welt verkauft worden waren und nun ihren wahren Wert – nämlich keinen - zeigten, wurde auch Goldman & Sachs davon getroffen, obwohl sie schon begonnen hatten, gegen diese Anleihen zu spekulieren. Mittels ihrer Kontakte ins US-Finanzministerium gelang es ihnen aber, ihre Pfründe zu sichern, indem sie auswählten, wer vom Steuerzahler gerettet werden würde und wer nicht.
Anstatt dass nun der wildgewordene Finanzmarkt unter Kontrolle gebracht wurde, wurden Milliarden und Abermilliarden von Dollar und Euros an die Banken gegeben, andernfalls wäre, so wird behauptet, das Finanzsystem zusammen gebrochen. Aber Goldman & Sachs war das nicht genug, man plante bereits den nächsten Coup: Man begann gegen die Euro-Länder zu spekulieren, die hohe Schuldenraten hatten. Gleichzeitig führte man die EZB an und beriet die EU und die europäischen Regierungen. Das Resultat war die Eurokrise, in der ein Land nach dem anderen in die Knie gezwungen wurde. Irland, Spanien, Portugal und schließlich Griechenland.
Diesen Ländern wurden nun harte Sparprogramme auferlegt, die die über Jahrhunderte erkämpften Arbeitnehmerrechte und dazugehörige Sozialsysteme in einem Ausmaß beschnitt, den sich vorher keiner vorstellen konnte.
Die europäischen Staaten und die EU griffen ein, um den Schuldendienst der in Not geratenen Staaten weiter zu finanzieren – das ganze Kapital zur angeblichen Rettung des Euros floss an die Bankenmafia, während gleichzeitig die Güter und Ländereien der betreffenden Länder privatisiert – das bedeutet geplündert wurden.
Der Öffentlichkeit wurde erklärt, man könne auf keinen Fall einen Schuldenschnitt oder einen Austritt dieser Länder aus der Eurozone riskieren, sondern der Euro müsste auf jeden Fall gerettet werden. Dazu schuf man eine neue Institution, den ESM, den europäischen Rettungsschirm. Dieser wurde mit einem Kapital von 700 Milliarden Euro ausgestattet, darf aber jederzeit mehr Geld von den Mitgliedsstaaten einfordern. Diese Bank und ihre Bediensteten dürfen die Staaten verklagen, aber selbst dürfen sie nicht belangt werden und sie sind niemanden Rechenschaft schuldig und es ist nicht mal möglich, Einsicht in ihren Schriftverkehr zu nehmen.
So hat die Bankenmafia die europäischen Staaten mehrfach unter Kontrolle. Das ist wahre Demokratie und die Krise und die Ausplünderung hält weiter an und wir harren auf das, was da noch auf uns zu kommen wird.