Eine Feldtheorie in der Biologie

25. September 2009

Unser Verständnis der uns umgebenden Welt ist geprägt von der mechanistischen Weltsicht, dem Geist-Körper-Dualismus und dem biblischen Gebot, uns die Welt untertan zu machen. Das vorherrschende Gefühl ist eines des Getrenntseins von der uns umgebenden Welt, wir sind - so scheint es - eingeschlossen in unserer Person und uns umgibt eine feindliche Welt, die wir beherrschen müssen, um zu überleben. Dieser paranoiden Ansicht verdanken wir eine Menge Probleme. Der moderne westliche Mensch, den Naturvölkern weit überlegen, sieht sich als vernunftgeleitet an. Seine Triebe hat er unter Kontrolle - wozu gab es die sexuelle Revolution? - und die Natur ist nichts weiter als eine maschinelle Ursache-Wirkung Abfolge, aus der er soviel Nutzen wie möglich ziehen kann.

Das Blöde dabei ist, daß einerseits das Ökosystem Erde den Bach runter geht und andererseits die Menschen nur noch damit beschäftiogt sind, möglichst viel zu konsumieren.

Die Natur ist heilig, Sex ist heilig, doch das ist eine sehr ungewohnte Betrachtungsweise. Einen Sinn für die Atmosphäre von Orten oder die Stimmungen eines Augenblicks hat zwar jeder, doch das ist so subjektiv. Objektiv ist es doch nur meine momentane Verfassung. Vielleicht ist es aber vernünftiger, umgekehrt zu denken. Das Wichtige sind die Stimmungen und die eigenartige Atmosphäre, nicht ihre “objektiven” Bestandteile. Unsere Wechselwirkung mit den Situationen, unsere Einstellung zu Personen und unsere Stimmungen beeinflußen unsere Wahrnehmung dieser. Es ist vielleicht unvernünftig zu glauben, daß diese “Erscheinungen” auf eine objektive, letztlich auf materiellen mechanistischen Ursache-Wirkungs-Ketten basierende “Realität” ist. Vielleicht ist es viel wichtiger zu glauben, daß wir, selbst wenn es so ist, ein viel deutlicheres Bewußtsein der Wechselwirkung zwischen uns und der “Materie” entwickeln sollten.

Die Natur als unbelebt zu betrachten nimmt ihr natürlich viel von ihrer Unberechenbarkeit und der Furcht vor ihr. Das Bedürfnis, sie zu beherrschen, ist natürlich weit besser befriedigt durch die Vorstellung mechanistisch ablaufender Prozesse als eines lebendigen Gebildes.

Bisher wurde wegen des Mangels einer anderen wenigstens teilweise befriedigenden Theorie, die mechanistische der Forschung zugrunde gelegt. Diese Theorie hat auch gute Erfolge bei der Beschreibung der physiologischen Vorgänge gehabt. Doch bei der Formbildung von Lebewesen, der Morphogenese, versagt sie völlig. Die Biologen nahmen an, daß Organismen nach einem “genetischen Programm” sich organisieren. Wer aber schreibt das Programm?

Rupert Sheldrake, Biologie und Naturphilosoph, hat mit seiner Theorie der Morphogenese viel Wirbel verursacht. Anstelle des genetischen Programms formulierte er eine Theorie der morphogenetischen Felder. Organismen entwickeln sich im Einklang mit diesen Feldern, bestimmte Orte haben bestimmte Felder, Verhaltensweisen sind durch diese Felder konstituiert. Man kann sie als Erinnerungen bezeichnen. Die morphogenetischen Felder werden erzeugt durch die Entfaltung alles Lebens und in den Reaktionen auf die Umwelt. So etablieren gewisse Tiere gewisse Merkmale und, wenn diese erfolgreich sind, entsteht ein morphogenetisches Feld, daß sich je mehr etabliert, je erfolgreicher es ist. So können auch die Naturgesetze als “Verhaltensweisen” der Materie angesehen werden, die deshalb so starr sind, weil sie so alt sind. Das Leben und auch die Materie ist in diesem Sinn schöpferisch, daß sie alle möglichen Verhaltensweisen annimmt und Entwicklungen folgt, daß aber nur wenige “gut” sind und ausgewählt und etabliert werden. Morphische Resonanz besteht zwischen den einzelnen Teilhabern der Felder. Wir haben Teil an den morphischen Feldern der Menschheit und unsere Verhaltensweisen festigen einzelne Felder. So sind wir verantwortlich für uns und für die Welt gleichermaßen.

“Schwingungen”, “Ausstrahlung”, “Geist”, alle diese Begriffe erwachen zu neuem Leben in dieser Theorie - vielleicht gelangt endlich die wissenschaftliche Erklärung der Liebe und die Öffnung der Wissenschaft zur Magie.

Der spinnt doch, sagt ihr jetzt, aber die Mechanisten und die Materialisten werden bald aussterben.
Literatur: Rupert Sheldrake, Die Wiedergeburt der Natur